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Annahmeschluss – Einreichungen Biodiversitätspreis

Nach einem erfolgreichen Jahr 2023 in Punkto Biodiversität in der Verbandsgemeinde Wallmerod soll nun der nächste Schritt gegangen werden. Die Ausrufung des Biodiversitätspreises ist ein weiterer Meilenstein hin zu mehr Artenvielfalt und Biodiversität in unserer Region. Noch bis Ende Januar 2024 können sich die einzelnen Ortsgemeinden für den ersten ausgerufenen Biodiversitätspreis der Verbandsgemeinde Wallmerod bewerben. Dabei spielt es keine Rolle ob das angestoßene Projekt in kommunaler Hand liegt, von Privatpersonen initiiert wurde oder durch einen der ansässigen Naturschutzverbände betreut wird. Die Auslobung des Preises soll vor allem den Fokus auf naturnahe Projekte legen und so durch synergieeffekt Lebensräume schaffen und Biotope erhalten.

„Natürlich können sich auch Privatleute an dem Projekt beteiligen. Wer ein engagiertes Projekt durchgeführt hat, kann dies durch die jeweilige Ortsgemeinde einreichen lassen“,
erklärt Bürgermeister Klaus Lütkefedder.


Fünf Bewertungskriterien des Biodiversitätspreises
  • Verbesserung der Artenvielfalt
  • Innovationscharakter
  • Akteursbeteiligung
  • Begleitende Öffentlichkeitsarbeit
  • Übertragbarkeit

Die Antragstellung für einzelne Projekte erfolgt dabei ausschließlich über die jeweiligen Ortsbürgermeisterinnen und Ortsbürgermeister. Nach Ende der Einreichungsfrist wird eine Expertenrunde, bestehend aus der Klimaschutzmanagerin Lina Braun alias Klima-Lina und einem Vertreter der Masgeik-Stiftung, dem Dipl. Biologen Philipp Schiefenhövel, die vielversprechendsten Projekte die Projekte nach fünf Bewertungskriterien ausloten. Das Ergebnis wird im Anschluss als Empfehlung dem Ausschuss für Dorfentwicklung, Demografie, Jugend und Soziales vorgelegt, der die drei Sieger final bestimmt.

Der freundschaftliche Wettbewerb ist dabei nur ein Baustein auf dem Weg zu einem intakten Ökosystem. Im Rahmen des Natur- und Umweltschutzes bietet das 2023 fertig ausgearbeitete Biodiversitätskonzept der Verbandsgemeinde Wallmerod eine Richtschnur für das nächste Jahrzehnt. Weitere Informationen? Das Biodiversitätskonzept sowie Anregungen für Projekte auch im eigenen Garten finden Sie unter www.klimamittendrin.de

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Naturschutzfachliche Empfehlungen für (neue) Wohn- und Gewerbeflächen

Einmal im Monat wurde Ihnen an dieser Stelle im Laufe des Jahres 2023 ein von der Will und Liselott Masgeik-Stiftung verfasster "Naturschutztipp des Monats" vorgestellt. Diese Tipps zeigten zum einen Maßnahmen auf, die im Rahmen der Wallmeröder Biodiversitätsstrategie umgesetzt werden und Ihnen zum anderen Anregung zum Mitmachen geben sollten, um etwas Positives für die Verbesserung der lokalen Biodiversität zu erreichen. Beim letzten Monatsartikel dieser Veröffentlichungsreihe wollen wir auf verschiedene Möglichkeiten hinweisen, wie man bei der Neuausweisung von Siedlungs- und Gewerbeflächen den dadurch verursachten Eingriff in die Natur etwas verringern kann.

Parallel zur Fertigstellung der eigenen Biodiversitätsstrategie stellt auch die Verbandsgemeinde Wallmerod aktuell ihren Flächennutzungsplan zur Erweiterung von Siedlungs- und Gewerbeflächen neu auf. Durch die Nutzung und Reaktivierung innerörtlicher Wohnflächen über das Förderprogramm "Leben im Dorf", versucht die Verbandsgemeinde schon länger neue Siedlungserweiterungsflächen in den Ortschaften in einem moderaten Umfang zu halten. Durch neue Wohn- und Gewerbegebiete geht natürlich Lebensraum verloren, aber entscheidend ist, dass die Städte und Gemeinden in Zeiten des Klimawandels, des umfänglichen Lebensraumverlustes und Artensterbens verantwortungsvoll mit solchen Entscheidungen umgehen. Wichtig ist, dass die notwendigen artenschutzfachlichen Prüfungen gewissenhaft erstellt und notwendige Kompensations- und Ausgleichsmaßnahmen umgesetzt werden. So hat die Verbandsgemeinde Wallmerod beispielsweise etliche der ursprünglich geplanten Siedlungs- und Gewerbeerweiterungsflächen auf Grund artenschutzrechtlicher Belange wieder verworfen bzw. verkleinert oder alternative Standorte dafür gesucht.

Planen Sie selbst aktuell die Verwirklichung Ihres Eigenheims? Wollen Sie ihre Wohnungsfläche vergrößern oder sich gewerblich erweitern bzw. neu niederlassen? Wie viel Sie auf einem Neubaugrundstück versiegeln dürfen ist meist über die Grundflächenzahl (GFZ) in den jeweiligen Bebauungsplänen geregelt. Je nachdem wie Sie die verbleibende unversiegelte Fläche nutzen, können Sie selbst einen Beitrag zur lokalen Biodiversität leisten:

KW 51 Naturgarten Marcel Weidenfeller 2023

So können Sie versuchen weitere Versiegelungen von Zuwegen, Garageneinfahrten und Parkflächen zu reduzieren. Dort wo das nicht möglich ist, können Sie Schotter und versickerungsfähiges oder begrünbares Pflaster verwenden. So bleibt in den Ritzen und an den Rändern Raum für Mauerfußpflanzen, wie z.B. Akelei, Natternkopf, Wegwarte oder Hungerblümchen. Entdecken Sie den Spaß an der naturnahen Gartengestaltung. Das ist zwar Arbeit, aber Ihr zukünftiger Garten mit beerenreichen einheimischen Gehölzen, blütenreichen Stauden und Frühblühern wird optisch toll wirken und zu einem Tummelplatz von interessanten Tieren. Holen Sie sich die Artenvielfalt durch das Anlegen von Wiesen- anstatt Rasenflächen, durch einen naturnahen Schwimmteich oder einen Gartenteich mit Hilfe verschiedener Rohbodenflächen oder einer unverputzten Trockenmauer in den Garten. Nicht nur die Tiere und Pflanzen, sondern vor allem Sie selbst sowie viele Kinder und Passanten werden daran ihre Freude haben. Die Bäume und Sträucher werden ihnen Schatten spenden und mit der Pflanzung des einen oder anderen Obstbaumes, Beerensträuchern oder gar einem Gemüsegarten versorgen Sie sich selbst mit gesunden regionalen Produkten.

Biodiversitätsstrategie der Verbandsgemeinde Wallmerod liegt vor

Klimaschutzministerin Katrin Eder und SGD Nord Präsident Wolfgang Treis loben den Einsatz

Am 29.11.2023 folgten Klimaschutzministerin Katrin Eder sowie SGD Nord (Struktur- und Genehmigungsdirektion) Präsident Wolfgang Treis der Einladung von Bürgermeister Klaus Lütkefedder sich Vor-Ort über die Biodiversitätsstrategie der Verbandsgemeinde Wallmerod zu informieren. Die Biodiversitätsstrategie inklusive des Biodiversitätskatasters konnte Mitte des Jahres durch die Will- und Lieselotte Masgeik Stiftung zur Veröffentlichung fertig gestellt werden.

„Die Biodiversitätsstrategie der Verbandsgemeinde Wallmerod ist unsere Richtschnur für das nächste Jahrzehnt“,
Bürgermeister Klaus Lütkefedder

Die Ausarbeitung stellt so einen Pool von über 270 konkreten Maßnahmen an mehr als 200 verschiedenen Standorten innerhalb der Verbandsgemeinde zur Förderung der lokalen Biodiversität dar. Ziel des Projektes war es, alle 21 Gemeinden sowie die sieben Schulen der Verbandsgemeinde und vor allem auch die Bevölkerung für Verbesserungen im Sinne der Biodiversität zu begeistern und so die eine oder andere Maßnahme anzustoßen und durchzuführen. „Auf diese Weise schaffen wir einen Trittsteineffekt hin zu mehr Artenvielfalt in unserer Region“, so Klimaschutzmanagerin Lina Braun. Alle beteiligten Akteure wurden bereits während der Planungsphase darin bestärkt, angedachte Maßnahmen unmittelbar umzusetzen. So konnten mit der Fertigstellung der Biodiversitätsstrategie bereits 79 konkrete Einzelmaßnahmen realisiert werden, was fast ein Drittel der möglichen Gesamtmaßnahmen entspricht. Auf Lob seitens des Besuches ließ sich am 29.11.2023 nicht lange warten, so wurde von Klimaschutzministerin Katrin Eder vorgeschlagen, dass sich die Verbandsgemeinde Wallmerod aufgrund ihrer vielfältigen Aktivitäten als „Vorzeigekommune“ der Aktion Grün bewerben sollte. In der Informationsveranstaltung wurde den Gästen nicht nur das fertige Konzept sowie das Biodiversitätskataster vorgestellt, sondern auch der Biodiversitätspreis präsentiert. Für diesen erstmalig ausgerufenen Preis können sich die Ortsgemeinden bis Januar 2024 noch bewerben und Projekte rund um die Themen Umwelt und Artenvielfalt einreichen. Die Projekte können dabei kommunalen sowie privaten Ursprunges sein.

Vorstellung Biodiversitätskonzept 2023

Partielles auf Stock setzen von Feldhecken

Strukturreiche Feldgehölze und Hecken in unterschiedlichen Altersstadien und mit einer Vielzahl an verschiedenen Gehölzarten bieten vielen Tieren und Pflanzen einen Lebensraum. Je mosaikartiger und artenreicher ihre Zusammensetzung ist umso mehr können sie als Nahrungsgrundlage, Versteck- und Nistmöglichkeit von Vögeln, Insekten und Säugetieren genutzt werden. In blütenreichen Hecken bestehend aus Weißdorn, Gewöhnlichen Schneeball, Schlehe und Co finden die ersten Wildbienen, Schwebfliegen und Nachtfalter im Jahr Pollen und Nektar. Vor allem in dornentragenden Gehölzen finden Brutvögel wie Haus- und Feldsperling, Zaunkönig, Heckenbraunelle, die verschiedenen Grasmückenarten oder der besonders geschützte Neuntöter ebenso wie Zwerg- und Haselmaus, Igel und Feldhase einen sicheren Unterschlupf und Nistplatz für ihre Jungen. Im Herbst sind beerentragende Gehölze bis in den Winter hinein eine wichtige Nahrungsquelle für Drossel- und Finkenarten und viele mehr.

Mit zunehmendem Alter und Größe verholzen die Hecken sehr stark, werden immer dichter und verlieren im dunklen Inneren ihren Struktur- und Artenreichtum. In solchen Fällen ist es sinnvoll die Feldhecken im Zeitraum von Oktober bis Ende Februar partiell auf Stock zu Setzen. Da dieser Rückschnitt mit anschließender Wiederbelebung der Feldhecken von einer unsachgemäßen Rodung und Entfernung von Hecken im ersten Moment nur schwer zu unterscheiden ist, sollte das Partielle auf Stock setzen mit der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmt und die Umsetzung draußen vor Ort entsprechend mit einen Hinweisschild erläutert werden. Da manche Feldgehölze von den Landwirten als förderfähige Landschaftselemente geltend gemacht werden und oft auch ein jagdliches Interesse an dem Vorkommen der Hecken besteht, sollte der Rückschnitt auch mit den jeweiligen Landnutzern aus der Landwirtschaft und Jagd abgestimmt werden. Gerade das partielle auf Stock setzen ist für die Heckenpflege gut geeignet, um die Funktionen als Landschaftselement und für die Jagd auf Recht zu erhalten. Vor allem in den Natura2000-Schutzgebieten und dortigen Lebensraumtypen kann die örtliche Biodiversität durch diese Maßnahmen maßgeblich gefördert werden. Aber auch auf Privatgrundstücken kann es sinnvoll sein diesen zeitlich gestaffelten winterlichen Verjüngungsschnitt umzusetzen.

Hierbei sollte wie folgt vorgegangen werden: Kleine Hecken sollten händisch bzw. motorsägenmaschinell auf Stock gesetzt werden. Bei sehr langen linearen Heckenstrukturen wird in den meisten Fällen der Einsatz eines Forstmulchers unumgänglich sein. Hierbei sollte man die Arbeiten auf mehrere Jahre bzw. Winter verteilen und jeweils nur einen gewissen Anteil der Hecken zurücknehmen. Außerdem sollte man die Stöcke ca. 20-30 cm über Grund abschneiden und das Mulchmaterial so gut wie möglich von den Stöcken entfernen bzw. an einer Seite der Hecke zusammenschieben. Durch die hohe Schnittführung und Entnahme des Astmaterials können die Hecken wieder gut nachwachsen und es können sich weitere Straucharten in der verjüngten Hecke neu etablieren. Eine punktuelle Nachpflanzung konkurrenzschwacher Straucharten, wie z.B. Europäisches Pfaffenhürchen, Liguster und Weißdorn kann sinnvoll sein. Durch die partielle Vorgehensweise entstehen nach zwei oder drei Arbeitseinsätzen über mehrere Jahre verteilt sehr unterschiedlich strukturierte Hecken, die einer erheblich größeren Anzahl an Tieren und Pflanzen Unterschlupf und Nahrung bieten.

KW 43 Naturschutztipp Oktober

Partielle Heckpflege Foto | Marcel Weidenfeller